Was soll das bedeuten…?

Ebenfalls Danke Carla! Du hast mich mit Deinem letzten Kommentar auf nicht ganz unwichtige Punkte bezüglich Netzkunst aufmerksam gemacht, über die ich mir bis anhin noch gar nicht so richtig Gedanken gemacht habe. Was soll Internetkunst, wem bringt es etwas (mal abgesehen vom Reiz der Interaktion für die Benutzer) und was genau ist die künstlerische Aussage dahinter. Ich versuche nun im Folgenden ein paar sinnvolle Antworten auf diese Fragen zu finden.

Durch die digitale Technologie und das Internet wurde die Kunst als kulturelle Ausdrucksform stark verändert. Das computerisierte Grafikdesign ermöglicht neue künstlerische Ausdrucksformen und das Netz bietet eigentlich allen die Gelegenheit, an diesem künstlerischen Schaffen teilzunehmen. In ständiger Interaktion können Menschen, obwohl weit voneinander entfernt, miteinander malen, entwerfen, komponieren und produzieren. Das Netz wird zum globalen, ort- und zeitlosen „Raum“ der gemeinschaftlich geteilten Phantasie und Gestaltung.

Die daraus entstandenen neuartigen Kulturgüter haben bis jetzt meist zwar nur temporär Eingang in Museen gefunden. Die zeitgenössische elektronische und digitale Kunst soll zwar in den Museumsbetrieb integriert werden aber es erweist sich offenbar immer noch als schwierig einerseits den Kunstwert eines solchen Medienwerks zu erkennen oder zu beschreiben und andererseits die Technologie und das Know How der erforderlichen Soft- und Hardware in Bezug auf Netzkunst zur Verfügung zu stellen. Seit nunmehr acht Jahren engagiert sich die britische Tate Gallery zusammen mit dem Whitney Museum of Art in New York in diesem Bereich. Netzkunstwerke werden in Auftrag gegeben und in einem eigenen virtuellen Ausstellungsraum präsentiert. So ist die Netzkunst zwar an eine Institution gebunden aber in ihrem eigenen Medium, dem Internet belassen und somit weltweit und permanent zugänglich. Eine sorgfältige Auswahl und das notwendige Mass an Vermittlung erleichtern zudem den Zugang zu den Werken.

Netzkunst bzw. die künstlerische Auseinandersetzung beschäftigt sich neben dem technischen und ästhetischen Aspekt oft auch mit der Vorstellung von Gesellschaftsveränderung oder Systemkritik. Viele Künstler sind zugleich Netzaktivisten wie auch Hackaktivisten. An der 49. Biennale in Venedig präsentierte eine Gruppe von Netzwerkkünstlern einen Computervirus http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7852/1.html. Dies war allerdings nicht als kriminelle Tat gedacht, sondern als Kunstwerk. Auch die Tate Gallery musste sich eine geklonte Website mit kritischen Texten zur Tate und verhunzten Bildern zu den Ausstellungsprogrammen gefallen lassen. Dies geschah alles im Rahmen des ersten in Auftrag gegebenen Netzkunstwerkes „Uncomfortable Proximity“ des Briten Graham Harwood.

Hier noch ein paar Auszüge aus einem Artikel von Tilman Baumgärtel aus dem Spiegel Online. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,23887,00.html. Es geht um die Netzkunstarbeit von Andy Deck (siehe Blog v. 3. April 2008 ) und Joe Dellinger, in der sich die beiden kritisch mit dem Kosovo-Konflikt auseinandersetzen.

Bei der Netzkunst-Arbeit „Comission Control“ von Andy Deck und Joe Dellinger kann man sich durch Bilder, Informationen und Fakten zappen, die man – wenigstens im amerikanischen Fernsehen – nicht oft zu sehen bekommt: Informationen über CIA-Aktivitäten in Ex-Jugoslawien, Bilder von den Folgen der Nato-Bombardierung, von sogenannten „Kollateralschäden“. Klick dich durch den Krieg!

Comission Control“ ist eine von einer immer größere werdenden Menge von Netzkunst-Arbeiten, die sich kritisch mit dem Krieg im Kosovo auseinandersetzen. … sie haben auch eine Reihe von Künstlern rund um die Welt inspiriert, sich im Internet mit dem Thema Krieg auseinanderzusetzten. Galt die Netzkunst bisher als unpolitisch und eher an formalen Themen orientiert, zeigt sich jetzt, daß sie auch auf politische Tagesereignisse reagieren kann – und zwar schnell und direkt. Viele Arbeiten deuten darauf hin, daß sie rasch produziert worden sind, um möglichst unmittelbar auf den unerklärten Krieg der Nato gegen Jugoslawien zu reagieren.“  … Durch das Internet sind Arbeiten wie diese nicht nur einem weltweiten Publikum zugänglich geworden. Gleichzeitig hat sich auch die Geschwindigkeit geändert, mit der Künstler auf ein aktuelles politisches Problem reagieren können.“

Zum Abschluss des heutigen Blogeintrages noch ein paar Statements, die ich auf einer Webseite namens DigiRent, der Rentenanstalt für digitale Künstler http://www.krungkuene.org/krung/art/04/digirent/ gefunden habe:

„Für digitale Kunst gibt es einen kleinen Markt: die perfekte Kopierbarkeit, die komplexen Inhalte und die schlechte Haltbarkeit erschweren den Verkauf von Werken.“

„eben nicht! die schlechte haltbarkeit ist nicht als mangel zu empfinden, sondern es sind die vorteile und der eigensinn (g.schiesser) der medien auszunutzen um daraus ein angepasstes soziales system zu entwickeln. dazu gehört die unendliche vervielfältigbarkeit, die kurzlebigkeit und schnelligkeit der sprache/codes, die begrenzte nachfrage in einem kleinen markt, … typische eigenschaften von information und medien(kunst).“

„Eine zentrale Qualität der digitalen Kunst ist die Möglichkeit des Besuchers, mit dem Kunstwerk interagieren zu können.“

„Ausgenommen von Wettbewerben an Festivals und Stipendien gibt es für digitale KünstlerInnen keine Einnahmen, denn ein freier Markt existiert nicht.“
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. carlaproject sagte,

    Mai 1, 2008 um 8:57

    Zwei Gedanken sind mir zu diesem Artikel gekommen, allfällige Überschneidungen mit vorherigen Kommentaren von mir bitte ich zu entschuldigen.

    Du schreibst, „das Netz bietet eigentlich allen die Gelegenheit, an diesem künstlerischen Schaffen teilzunehmen“. Wie im Web generell und speziell Web 2.0 kann sich nun also jeder an Inhalte kreieren und onlinestellen. Ob diese Inhalte von Bedeutung sind, darüber kann dann natürlich auch wieder jeder Einzelne entscheiden, indem er sie liest, ansieht, benutzt. Trotzdem verliert das Kunstschaffen dadurch für mich eine gewisse Überschaubarkeit aber vorallem Ernsthaftigkeit. Mir ist klar, dass ich genauso wie ich Wikipedia akzeptiere, Netzkunst genauso akzeptieren kann. Vielleicht aber dadurch, dass ich mich weniger mit Netzkunst als mit Wikipedia und co. befasse, fehlt mir genau dadurch eher das Verständnis.
    Ich sollte aber bestimmt an meinem Unverständnis arbeiten, da ich ja genau wegen dieser ‘Zusammenarbeit’ Wikipedia, um bei diesem Beispiel zu bleiben, nutzen kann. Dann kann ich anderen Bereichen ja ähnliche Entwicklungen erwarten. Muss mich aber darauf einlassen..

    Der zweite Punkt ist die Tatsache, dass Netzkunst „weltweit und permanent zugänglich“ ist. Das ist ja noch die grössere Revolution als im obgenannten Punkt. Bis anhin ist Kunst meistens sehr an Ort und Zeit gebunden gewesen. Und obwohl ein Museumseintritt nicht alle Welt kostet, ist der Eintrittspreis doch für viele eine Hürde.
    Noch weiter geht es mit Kunst, die sich in einem privaten Gebäude befindet und nur vom Besitzer und allfällig dessen Bekanntenkreis betrachtet und erlebt werden kann.
    Diese Öffnung weg vom Eigentum zum Allgemeingut ist mir schon näher und wenn die Finanzierung bzw. das Einkommen der Künstler trotzdem gesichert ist, gut.


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