Was gibt es noch so im Netz? Buchstaben und Noten!

Poesie und Computermusik sind zwei weitere Ausdrucksformen der Netzkunst, die ich im heutigen Blog kurz vorstellen möchte. Als Quelle zu diesen Ausführungen hat mir Wikipedia gedient.

Digitale Poesie ist eine Form des künstlerischen Umgangs, der Auseinandersetzung mit der Sprache innerhalb eines digitalen Mediums. Mittels Quellcodes, Netzwerkprotokollen und Programmskripts erzeugen die Künstler digitale Dichtkunst. Allerdings wird unter digitaler Poesie nicht Dichtkunst im konventionellen Sinne verstanden, sondern Sprachkunst, welche die Grenzen der herkömmlichen Literatur sprengen soll. Nicht der Inhalt steht im Fokus, sondern die Sprache als Material. Nicht der Ausdruck von Gefühlen oder Meinungen ist das Ziel, sondern es sollen auf der Basis von bewussten Theorien und Experimenten ästhetische Sprachkunstwerke geschaffen werden. Bereits in den 50er und 60er Jahren entstanden erste sprachkünstlerische Arbeiten mit dem Computer. Das Hauptaugenmerk dieser Experimente lag auf der ästhetischen Funktion automatisch bzw. künstlich erzeugter Texte. Später kamen auch Installationen hinzu, bei denen die Kommunikation zwischen dem Benutzer und dem elektronischen Medium im Vordergrund stand. Betrachter konnten sich durch virtuelle Landschaften aus Buchstaben bewegen oder eine Art Heimtrainer betätigen, der im Takt der Bewegung Text ausspuckte. Mit dem Entwicklungsschub der neuen elektronischen Technologien der 80er Jahre wurde die internationale Verbreitung der digitalen Poesie gefördert. Daten wurden frei verknüpfbar und mittels Programmen wie Storyspace entstanden Erzählungen, deren Richtung die Leser durch ihre Entscheidungen mitbestimmen konnten. Die verschiedenen Ansätze und Strömungen der Digitalen Dichtkunst wurden Ende der 90er Jahre immer mehr als Bestandteile der gleichen Gattung betrachtet und verschiedene Projekte entstanden, um eine vereinende Funktion zu übernehmen. Eines dieser Projekte ist die Internetseite des Electronic Poetry Centers, das einen guten Überblick über die verschiedenene Aspekte der Digital Poetry liefert. http://epc.buffalo.edu/e-poetry/ Zum Schluss noch eine kleine Vorführung eines digitalen Gedichts namens „nobody knows but you“ an der E-Poetry 2007 in Paris.

Computermusik wird mit Hilfe von Rechner- oder Computersystemen erstellt. Bereits im 17. Jahrhundert war man der Überzeugung, dass Musik das Produkt bzw. die Kunst geschickter Zahlenordnungen ist. Auch Wolfgang Amadeus Mozart soll sich ein „Musikalisches Würfelspiel“ ausgedacht haben. Eine Art Anleitung, um mit zwei Würfeln Walzer zu komponieren. In einer Tabelle sind 3/8 Takte aufgelistet, deren Auswahl durch die Augenzahl der geworfenen Würfel geschieht und hintereinander notiert, eine fertige Komposition ergeben. Der gleiche Vorgang geschieht auch, wenn der Computer Zufallszahlen erzeugt, dann entsprechen den Zahlen Noten. Gleichzeitig werden dem Computer Regeln eingegeben, die darüber entscheiden, welche der „erwürfelten“ Noten zugelassen werden und welche verworfen. Der Computer wird also so programmiert, dass er beispielsweise nach der Eingabe eines Bach-Chorals selber merkt, welche Harmonien vorkommen oder welche Tonfolgen öfter auftreten. Im Laufe der Zeit wurden mit Hilfe musikalischer Experimente ganze Kompositionsprogramme entwickelt und mit der gründlichen Beschreibung der Programmiersprache MUSIK V in den 70er Jahren ein Meilenstein auf dem Gebiet der Computerklanganalyse gesetzt. Weiter möchte ich aber gar nicht in die Gefilde der Computermusik eindringen. Dies würde zu weit führen und mich total überfordern, da ich mich mit der ganzen Technologie nicht besonders gut auskenne. Lieber möchte ich mit den Worten von DRS3-Moderator Reeto von Gunten auf ein Musikstück hinweisen, das ebenfalls mit Hilfe des Computers entstanden ist: „Es gibt Menschen, die keine Strommusik mögen. Sie beklagen die Abwesenheit von Seele und Wärme, hören darin nichts als ständig diese Monotonie. Sie langweilen sich halt schnell, wünschen sich etwas Abwechslung, auch im Leben, und hüten sich dann doch vor jeder Veränderung. Heutzutage würde nur noch Schrott produziert, meinen sie, echte Musik benötige keine Stecker. Sie hören ausschliesslich authentische Musik: Jimi Hendrix, Pink Floys, so was. Für diese Menschen hat eine bemerkenswerte Frau ihre Stimme durch den Firewire-Anschluss ihres Laptops geschickt. Was dabei am anderen Ende wieder herauskam, trägt Vielseitigkeit und Aufrichtigkeit in ihrer Seele. Und ist aus nackter Elektronik gebaut. Die Strommusikhasser werden dieses Lied immer schon geliebt haben – in etwa 25 Jahren“  Voilà, authentische Computermusik von Imogen Heap „Hide and Seek“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. carlaproject sagte,

    Juni 16, 2008 um 6:13

    Schon speziell, dass gerade ein so computertechnisch verändertes Musikstück so besonders stark und eindringlich auf die menschliche Psyche wirkt. Mich jedenfalls berührt Imogen mit ‘hide and seek’ immer wieder zu sehr. Trotz dieses Beispiels glaube ich nicht so sehr daran, dass entweder Authentizität oder Computeranimation an die Gefühle der Menschen appelieren können, sondern dass dafür der individuelle Hörgeschmack verantwortlich ist. Schon seit einiger Zeit gibt es ja Menschen, die ab einer gewissen Lautstärke und regelmässigem Rhytmus die Ohren verschliessen, wogegen andere genau daran freude entwickeln. Natürlich haben sich Hörgewohnheiten mit der Technik auch weiterentwickelt, trotzdem ist für die Idee und die schlussendliche Ausführung von Musikkultur zumeist noch ein Mensche und dessen Gefühle verantwortlich und das ist auch in den Reaktionen darauf zu spüren.
    Zur Digitalen Poesie muss ich ganz frech sagen, dass ich vieles davon für ziemliche Spielerei halte. In einer Ausstellung mit dem Thema ‘English/Chinese’ hatte ich bei einer Installation die Möglicheit, buchstabenartige Abbildungen auf einer Leinwand gemäss meinen Wünschen bzw. Arm- und Handbewegungen bewegen zu lassen. Obwohl ich durch meine derartige Interaktion das Gefühl hatte, der ganzen Ausstellung näher zu sein und mir bestimmt auch mehr Gedanken gemacht habe als wenn mich diese Installation nicht derart ‘gefordert’ hätte, so bin ich mir doch noch immer nicht sicher über die Ernsthaftigkeit solcher Kunst/Poesie/Kultur.
    Ich bin da wohl einfach zu konventionell..


Einen Kommentar hinterlassen