Also, wie sieht es nun genau aus mit der konservatorischen Betreuung und Erhaltung von net.art. Verschiedene Restauratoren schlagen zwei Methoden vor, die Migration und die Emulation. Durch die Migration soll erreicht werden, dass Bild- oder Textdateien zusammen mit ihren Kontext- und Erschliessungsinformationen über einen längeren Zeitraum verfügbar und lesbar bleiben. Dies ist möglich durch die Auffrischung der Signale und der kontinuierlichen Anpassung der Aufzeichnungsformate sowie durch die Anpassung an die zeitbedingte geänderte Soft- und Hardware. Diese Methode stellt eher den traditionellen Ansatz dar. Bei der Emulation wird eine nicht mehr vorhandene Hardware und ihre Betriebssystemumgebung so nachgeahmt, dass die digitale Information in ihrer ursprünglichen Softwareumgebung und somit auch in ihrer ursprünglichen Funktionalität zugänglich gemacht und erhalten werden kann.
Professor Hans Dieter Huber teilt künstlerische Arbeiten in zwei Gruppen ein. Bei der ersten Gruppe ist die Originalität des materiellen Trägers für die ästhetische Erfahrung und die Authentizität des Werkes entscheidend. Bei der zweiten Gruppe kann der materielle Träger ausgetauscht und die ästhetische Erfahrung des Werkes dennoch gemacht werden. Zu der zweiten Gruppe zählt Huber auch die net.art und alle anderen Werke, die auf einer Notation beruhen. Ihnen liegt eine bestimmte mehr oder weniger genau beschriebene Notation zugrunde, die durch ihre Ausstellung, Präsentation oder Aufführung eine Interpretation erfahren. Der Browser, der die HTML-Notation einer net.art Arbeit auf der Oberfläche eines Bildschirms darstellt, stellt eine solche Aufführung bzw. eine orts- und zeitspezifische Interpretation von net.art. dar. Die materielle Erscheinung von net.art kann beliebig ausgetauscht werden. Das Entscheidende daran ist die Konstanz der HTML-Notation.
Wie sieht es nun aber mit der Erhaltung für die nächsten 500 Jahre aus? Was wollen wir, dass dann noch von den kulturellen Leistungen auf dem Gebiet der net.art erhalten geblieben ist, fragt Huber. Welches Medium ist für eine solche Erhaltung am besten geeignet bzw. ist auch in 500 Jahren noch verfügbar? Bei der digitalen Konservierung plus Emulation kann vielleicht mit einer Verfügbarkeit von 10 bis 20 Jahren gerechnet werden. Hier stellt sich nun die Frage, ob den wirklich alle diese Arbeiten aufbewahrt werden müssen, da ja auch nicht alle gut sind. Hierzu meint Huber, dass sich die Bedeutung eines Werkes durch Veränderung und den Wandel historischer Kontexte zwangsläufig ändert. Es kann durchaus sein, dass aufgrund der zeitlichen Nähe und persönlicher Involviertheit in net.art diese vollkommen falsch eingeschätzt und bewertet wird. Dies hat uns die Geschichte der Kunst immer wieder gezeigt. Huber hält das Medium Buch nach wie vor für die geeignetste Form der Erhaltung. Wenn also künstlerische Werke der net.art. für einen Zeitraum von 500 Jahren für die Nachwelt erhalten bleiben sollen, wären Dokumentations. und Notationsverfahren durchaus in Erwägung zu ziehen.
Mit diesem Beitrag schliesse ich nun meinen Blog zum Thema „Kulturverlust im Netz versus Netzkultur“. Obwohl am Anfang das Bloggen etwas ungewohnt war, hat es mit der Zeit doch ziemlichen Spass gemacht und ich habe einiges über das Thema Netzkunst wie auch über das nächste Leitmedium (?) JOOST - das Thema meiner Tandem-Partnerin- erfahren. Alles in allem eine etwas zeitaufwendige aber schlussendlich doch lohnende Arbeit.

Carla Buser sagte,
Juni 26, 2008 um 7:09
Möglicherweise wird dann in ein paar hundert Jahren die net.art verschwunden sein, nur weil das Medium nicht mehr vorhanden ist, bzw. die Technik weiterentwickelt wurde. Auf der anderen Seite kann bei der net.art das Medium ja auch ein relativ fester Bestandteil betrachtet werden. Dann wäre es also beinahe stimmig, wenn die Kunst mit seinem zugehörigen Träger untergehen würde. Ich kann mir sehr schlecht vorstellen, wie die Emulation in real ungestetzt werden soll. Nach meiner Vorstellung wird hier automatisch eine Selektion pasieren. Denn der Aufwand wird wahrscheinlich sehr gross sein, und Werke, die ‘diesen Aufwand nicht wert scheinen’, werden nicht beachtet.
Sehr schade, denn obwohl ich während dieser Zeit nicht wirklich von der net.art begeistert wurde und mich auch nichts vom dem, was ich gesehen hab, so berühren konnte, wie beispielsweise die Rubensbilder in der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen (als extremes Beispiel zu nennen), so gehört die net.art doch zu unserer kulturellen Entwicklung wie andere Werke auch und soll deshalb unbedingt weiterbestehen bzw. spätere Generationen sollten sich daran erinnern und daran teilhaben können.